5.8.08: Eindrücke von der 3. Etappe

Die Königsetappe. 72 km von Prenzlau nach Ueckermünde…… etwas Regen, etwas Sonne, etwas viel Wind. Für Teilnehmer aus dem Binnenland nur schwer zu begreifen, dass das also normal wäre……

Es wird vier Uhr, Unruhe entsteht in der sehr geräumigen Dreifeldhalle. Erste Helfer machen sich auf den Weg zum Kaffeekochen, Aufschnittplatten legen, Büffet erstellen. Schwerfällig kriecht ein Läufer nach dem anderen aus dem Schlafsack, von außen wird auf den Tribünen Licht dazu gegeben. Das Büffett ist reichhaltig, der Käse zu früh alle, die Alternativen sind ausreichend. Letzte Pflege empfindlicher Körperteile, prüfen der Wegverpflegung, bestücken der bereitgestellten Boxen für den Imbiss unterwegs. Endlich Start – das Tagewerk beginnt. 06.30 Uhr, für die Gruppe der Schnellfüße 08.00 Uhr. Im Hintergrund werden Koffer verladen, der Fotograf der Regionalzeitung sucht die beste Einstellung, Versorgungsfahrzeuge rollen vom Hof.

Schnell liegt Prenzlau hinter den Läufern, die Kühle des Morgen macht das erste Wegstück sehr abgenehm. Schnell finden sich Interessengruppen annähernd gleicher Geschwindigkeit, Austausch von Gedanken, Erlebnissen , Erwartungen. Erste Station nach gut 11km, es gibt vieles, was das Läuferherz begehrt. Fleißige Hände setzen die von den Augen der Läufer abgelesenen Wünsche schnellstmöglich um.

Doch die meisten der Matadore der Landstraße sind nicht in Eile, nehmen den Stopp als willkommene Erholung für den Körper wahr. Weiter geht es, Trebenow lockt. Ein sehr gesprächiger Wegposten sorgt für endgültige Munterkeit der sich nähernden Läuferschar. Ein Bäckerwagen hält, der Storch dreht seine Morgenkreise. Uckemark. Verpflegung aufgenommen und weiter dem Wind getrotzt. Drer Halbmarathon ist vorbei, der Untergrund ändert sich, die einzige sandige Wegstrecke der 322km breitet sich unter den Füßen aus. Heftif bläst der Wind ums Kap der Guten Hoffnung und Helga und Ari haben alle Mühe, die gefüllten Becher in der senkrechten zu halten. Knapp 30km sind die Läufer unterwegs, die Helfer in ihrer siebten Arbeitsstunde…..

Bergfest, Halbzeit, die Hälfte aller Schritte bis ins Karldhagener Ziel ist geschafft! Der Bergpreis geht an Hartmut, der mit großem Ehrgeiz aus sehr persönlichen Gründen diese Etappe in Angriff nahm. Vater und Brüder sind in Pasewalk geboren, da wollte er als erster in diese Stadt einlaufen – und es gelang.

Mattin und Julia hatten schon lange die Meldung vom Vorposten, dass sich die Läufer nähern. Genauso melden sie selbst jetzt weiter das die ersten bei ihnen eingetroffen sind. Signal für die Nachfolger, ihren Stand aufzubauen. Weitere acht Kilometer später und um einige Regenschauer weiter erreichen die Läufer Kerstins Wohnmobil, der einzige Versorgungspunkt mit Warmverpflegung. Die Frage nach Freibier der Ortsansässigen wurde noch abschlägig beschieden, die Bitten der Läufer hingegen mit Eifer erfüllt. Marathon ist schon vorbei, die Beine sind müde, aber noch in der Lage fortzuschreiten. Das ist zum Teil durchaus wörtlich zu nehmen, denn Geschritten wird auch viel auf solch langen Tagesabschnitten. Nicht durch die ersten, die sich nun anschicken das gesamte Feld der 90 Minuten vor ihnen gestarteten Gruppe einzuholen. Wohl aber durch die, die nunmehr im Zwiegespräch mit ihrem Körper Grenzen auszuloten gezwungen sind.

Torgelow hinter sich lassend und damit auch die Fürsorge von Irene und Laura geht es dem letzten Zwischenziel entgegen, Eggesin. Sandmeer, Wassermeer, gar nichts mehr – so hieß es früher. Inzwischen durchaus schöne Stellen im ehemals durch Kasernen geprägten Antlitz der Stadt, an einer dieser Michael mit seinem Sohn und eine gaaaanz lange Aufgabe, denn VP 7 heißt viel Geduld haben. Das Ziel in Ückermünde auf einem schönen Marktplatz, willkommen in der Perle am Haff, wie die Bürgermeisterin Michaelis am Abend den Läufern zurufen sollte. Und schon am Nachmittag dem Treiben mehrere Stunden fasziniert gefolgt ist. Endlich, am Ziel, im Ziel. Nach nicht ganz sechst Stunden oder nach kanpp elf Stunden, egal – im Ziel. Die Etappe ist bewältigt, ein klein wenig Glück, etwas mehr Stolz. Ein verdientes Bier im Ziel, wer es mag (natürlich Alkoholfrei….), der Weg zur Turnhalle nur 300m und doch so weit….. Duschen, ruhen, massieren, entspannen, essen, trinken, liegen, Eis essen……Es gibt viele Möglichkeiten, die Zeit bis zum Abendessen zu verbringen. Eine der häufigst genutzten das Gespräch über das Gewesene, das Auswerten der eigenen und der Leistung anderer, der Blick nach vorn und die Freude und auch der Respekt vor der Herausforderung des kommenden Tages.

Nach Urkunden und Preisen für „Bergkönig“, und Sieger des Tages endlich das Abendessen, nicht ohne vorher gehört zu haben, dass sich die Bürgermeisterin freute uns bei sich zu haben und uns gern wieder willkommen heißen würde….

Zurück zur Halle, entspannen, reden, unter Freunden sein.

Versorgungkörbe packen, Durchlauflisten führen, Ergebnisse auswerten, Einkaufslisten zusammenstellen, Anrufe in den neuen Etappenort, letzte Absprachen treffen, Bericht(e) schreiben und Bilder einstellen, die Helferschicht endet heute etwas früher , es ist erst 23 Uhr…. in der Turnhalle ist Ruhe, nur das gelegentliche Rascheln der Schlafsäcke zeigt die Unruhe in den Träumen der Athleten an, die sie bei der Verarbeitung des erlebten im Schlaf zeigen.

Ein ganz normaler Tag beim Etappenlauf……

Storys.

Dirk Vinzelberg wartet kurz vor dem Ziel auf Alwin Gumprecht, der mit Magenproblemen auf den letzten Kilometern abreißen lassen musste, um gemeinsam die Ziellinie zu überqueren.

Michael Frenz beendet die Etappe unter Schmerzen, aber er erreicht das Ziel. Wenig später mag der Kreislauf nicht mehr, er wird versorgt und umsorgt. Am Abend erklärt er im Gespräch mit der Wettkampfleitung seinen Verzicht auf die zwei noch ausstehenden Etappen. Schade, Micha, erhol dich gut.

Michael Brandt wird im Ziel von seiner Familie empfangen und erzählt später, das er schon immer die Stellen während der Etappe heraussucht, die er zurücklaufen möchte und wo Frau und Sohn ihn begleiten werden….. der Rest wird mit dem Zug gefahren.

Ein ganz normaler Tag bei einem Etappenlauf…….

Nun schlaft alle gut

LG, Jörg

Tags: keine

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